Courtney Barnett – Tell Me How You Realy Feel

Legen wir also los mit den besten Platten 2018. Persönlich, zynisch, wütend. Hier kotzt sich eine aus und es hört sich so an, als hätte sie zuvor ganz viel Dreck gefressen. Nicht, dass es nach selbigem klingt, ganz im Gegenteil: Die Australierin ist seit ihrem Debüt und der zwischenzeitlichen Zusammenarbeit mit Kurt Vile hörbar gereift und so ist praktisch jeder der irgendwo zwischen Patty Smith, den Breeders und Nirvana angesiedelten Titel ein potentieller Lieblingssong. Hier geht’s zum Review

Tocotronic – Die Unendlichkeit

Längst sind Tocotronic der Hamburger Schule entwachsen und manche werfen den ehemaligen Genre-Musterschülern eine Oberlehrerhafte Borniertheit vor. Jetzt also ein autobiographisches Konzeptalbum: Musikalisch vielschichtig (ja!) und lyrisch ungewohnt konkret beginnt dieses mit der Kindheit, spannt den Bogen über die Adoleszenz bis zur Gegenwart und wagt zum Schluss gar einen Blick in die Zukunft. Das alles geht ans Herz und gibt den Hanseaten die verloren geglaubte Relevanz zurück. Hier geht’s zum Review

Low – Double Negative

Der Begriff „Slowcore“ passt dem Dreier aus Minnesota angeblich nicht. Umschreiben tut er die von minimalistischen Arrangements geprägten Songs trotzdem ganz gut. Oder auch nicht. Denn das aktuelle von BJ Burton produzierte Werk „Double Negative“ lässt sich kaum beschreiben, man muss es hören. Es ist ein eindringliches, anklagendes und ergreifendes Album, das einem viel abverlangt. Es gibt Dir einen kräftigen Arschtritt, nur um dich im nächsten Augenblick mit süssem Harmoniegesang liebevoll zu umarmen. Hier geht’s zum Review

Stephen Malkmus and the Jicks – Sparkle Hard

Fast 30 Jahre nach der Gründung der wegweisenden Pavement überrascht Stephen Malkmus nochmals mit einer wirklich prima Platte. Immerhin waren seine Releases in der Post-Pavement-Ära nicht immer über alle Zweifel erhaben. Natürlich erfindet sich Malkmus nicht neu und doch lotet er eher ungewohnte Grenzen aus. Nennen wir diese mal Dreampop und Country. Aber auch offensichtliche und doch niemals nervende Pavement-Zitate kommen nicht zu kurz und das Duett mit Kim Gordon im Song „Refute“ dürfte Ursache für feuchte Träume unter Anhängern klassischen Indie-Rocks sein.

Adrianne Lenker – Abysskiss

„Ein weiteres nettes Singer-Songwriter Album.“ Das könnte denken, wer dem Solodebut von Big Thief Frontfrau Adrianne Lenker nur ein flüchtiges Ohr widmet. Wer dem Album aber die Zeit die es einfordert schenkt, wird mit brillanten Melodien, ausnehmend gefühlvoll und intensiv vorgetragenem Gesang und berührenden Lyrics belohnt. Dabei entfernt sich die Amerikanerin auf ihrem Solopfad gar nicht mal so weit von ihrer grossartigen Stammband. Hier wie dort spielt sie gekonnt mit kühler Distanz und intimer Nähe. Nur wirkt das fast gänzlich akustisch gehaltene Abysskiss noch einen Tick persönlicher und wird deshalb kaum ein Auge trocken lassen.

Von Kaspar Hunziker empfohlen

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