Man wundert sich mal wieder über die einstigen Wunderkinder. Das vom legendären Rick Rubin produzierte siebte Studioalbum ist ein düster-schräges Statement – voller irritierender, bisweilen bizarrer, aber auch schöner Momente. 42 Minuten und 42 Sekunden mit ordentlich Polarisierungspotenzial.
Die Versuchung, das neue Werk der New Yorker herzhaft zu verreissen, ist ziemlich gross: Wieso zum Teufel wird Julian Casablancas’ Stimme in gefühlt jedem zweiten Song durch Auto-Tune gejagt? Wirkt das bei der herrlich dahinschlurfenden Vorabsingle «Falling out of Love» noch irgendwie passend, nervt es mit der Zeit nur noch. Ist das Provokation? Oder will Casablancas dem Rock ’n’ Roll einen kräftigen Arschtritt versetzen? Wir wissen es nicht.
Wer diese elektronische Sünde ignorieren kann, erkennt: Hier sind nach wie vor grosse Songwriter am Werk. Die ungestümen Arschwackler «Going Shopping» und «Going to Babble On» könnten geradewegs dem Bandkosmos der Nullerjahre entsprungen sein, bilden aber eine stilistische Ausnahme. Daneben stehen Songs, die gemächlich daherkommen, bisweilen gar etwas lustlos wirken und einen zunächst ratlos zurücklassen.
Wer dem Album jedoch eine zweite, dritte und vielleicht sogar vierte Chance gibt, entdeckt feine Harmonien, überraschende Wendungen und jede Menge experimentelles Dings und Dongs. Was zunächst wie Lustlosigkeit klingt, ist am Ende wohl vielmehr die Gelassenheit einer Band, die niemandem mehr etwas beweisen muss – und auf die Meinung der «Früher waren die aber im Fall besser»-Fraktion pfeift.
7/10
Kaspar Hunziker






