Tanzen mit Anstand und Grüntee statt Cannabis: Kevin Parker hat die Gitarren leiser gedreht und kommt mit in den Samstagabend Ausgang.

Tame Impala ist nicht wirklich eine Band, sondern das Projekt des Multiinstrumentalisten Kevin Parker. Er holt sich Musiker für Konzerte, spielt im Studio aber alles alleine ein. So redet ihm auch  keiner drein, wenn er auf dem neusten Album „The Slow Rush“ derart den Kurs wechselt. Der Psychedelic Fuzz Pop, wie er ihm besonders im grossartigen Song „Elephant“ von 2012 gelungen ist, sucht man hier vergebens. Nun dreht sich alles um seine Liebe zum Kitschpop der 1980er.

2020 die Bee Gees und Supertramp in ein fashionables Klangkleid für gepflegtes Clubbing zu zwängen, ist ein bewundernswertes Unternehmen. Konsequent stampft der 4/4 Downbeat in klassischer Disco Manier im Tandem mit dem lüpfigen Synthesizerbass auf dem Offbeat, darüber schwelgen Vocoder und kalorienbombige Keyboardsounds… das ist keck gegen alle Coolness gesetzt.

Das kommt manchmal ganz gut, wie in „Instant Destiny“ und „Tomorrow’s Dust“. Diese beiden erinnern an die Flaming Lips, die es immer souverän schaffen, den Sülz gerade noch vor der Tür zu lassen. Nur schade, dass der auch mal überhand nimmt wie in „Borderline“. Meistens aber bewegt sich das Ganze gerade noch im Zwischenraum von Freakiness und gefälligem Top of the Pops Tralala und bleibt daher ganz geniessbar, wenn auch nicht wirklich umwerfend. Das abschliessende,  mit grossem Pinsel gemalte „One More Hour“ versöhnt zum Ende doch noch. Ein ganzes Album in dieser Art wäre eine glatte 10 gewesen.

Neopop, Postdisco: 7/10

Marc Flury

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