Der Soundtrack zum Herbst ist da: Antidepressants trifft mitten ins Herz und ins Tanzbein. Suede liefern Songs voller Energie, Spannung und Melancholie.

Gegründet 1989 in London, prägten Suede die britische Musik der 1990er wie kaum eine andere Band. Gemeinsam mit Blur, Pulp und Oasis definierten sie die Ära, doch Suede liessen sich nie in Schubladen stecken. Das Debüt von 1993 gewann den Mercury Prize und zeigte sofort, dass die Band mehr als ein blosser Britpop-Act war. Auch nach personellen Wechseln und kommerziellen Schwankungen – von Coming Up bis zur Auflösung 2003 – blieb die Band ein kreativer Motor. Die Wiedervereinigung 2010 brachte kein blosses Nostalgieprodukt, sondern Alben wie Night Thoughts, The Blue Hour und Autofiction, die den Suede-Sound konsequent weiterentwickelten.

Antidepressants fühlt sich an wie ein wacher Schlag ins Herz. „Dancing With The Europeans“ beginnt euphorisch, ein bisschen überdreht, aber sofort fesselnd. „Trance State“ ist hypnotisch, zielt direkt auf die Nerven, ohne jemals plump zu wirken. Brett Anderson beschreibt die Songs als „gebrochene Musik für gebrochene Menschen“ – und genau diese Ehrlichkeit durchzieht das gesamte Album. Es geht um Angst, Sehnsucht und das Streben nach Verbindung in einer Welt, die oft kalt und unnahbar wirkt.

Musikalisch balanciert die Band zwischen Melancholie und Aufruhr, zwischen Glamour der alten Tage und einer modernen, kühnen Produktion. Die Songs leben von Ecken, Kanten und Momenten, die unerwartet einschlagen. Suede zeigen, dass sie auch nach Jahrzehnten nicht einfach nur spielen, sondern komponieren, experimentieren und provozieren.

Live entfaltet das Album seine volle Wirkung. Wer Suede am 29. März 2026 im X-TRA Zürich erlebt, wird sehen, dass diese Songs nicht nur gehört, sondern gespürt werden wollen. Jeder Ton, jeder Refrain ist Teil einer Performance, die intensiv, direkt und unvergesslich ist.

Antidepressants ist kein Comeback im klassischen Sinn. Es ist ein Album, das fordert, berührt und den Blick auf die Band neu justiert. Suede beweisen, dass sie nach über drei Jahrzehnten immer noch eine der spannendsten und relevantesten britischen Bands sind.