Ein Mann und ein Flügel. Also so einer mit Tasten, nicht mit Federn. Erhabene Schwermut in auf sich selbst reduzierte Songs.

Lord Kesseli, sonst Schlagzeuger unter anderem bei Stahlberger, veröffentlicht ein Solo Piano Album. Und ja, es ist eine Tour de Melancholie. Aber „Tell me When You’re Empty“ versinkt glücklicherweise nicht in einer prätentiösen „Mir isch es Glas Rotwii i d’Tastatur gheit“ Nabelschau. Die Sanftheit und Lyrik dieser Songs entlocken einem nämlich eine wohlwollende Aufmerksamkeit, wie man sie gerne Songwritern vom Niveau eines Thom Yorke oder Neil Young schenkt.

Wir hören weder süssliches Drama noch unaufdringliche Nettigkeit. Wir hören Songs, die nicht gehört werden wollen, sondern einfach sind. Ein Mann und ein Flügel in einem Raum. Wir stolpern zufällig rein und die Musik ist da. Präzise, souverän, kontrolliert ist sie, trotz ihrer Intensität.

Das Album ist auch angenehm kurz. Gerade die richtige Länge hat Lord Kesseli da gewählt, bevor wir der Melancholie überdrüssig werden. Eine Auszeit von knapp 40 Minuten als willkommene und oft genug vermisste Ruhe jenseits aufdringlicher Unterhaltung allenthalben und überall. Tatsächlich lässt einen der zuletzt ausklingende Ton konfus zurück. Was tun nun mit dieser Entspanntheit? Der Schreiber hier entschloss sich zu einem Spaziergang auf dem Lande. Es gibt Schlechteres, wozu Kunst einen inspirieren kann.

10/10

Marc Flury

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