2025 klang roh. Punk mit Witz, Industrial mit Druck, Prog ohne Zeitlimit. Marc Flury, Sendungsmacher von School of Rock, hat ein Best of kuratiert, das lieber aneckt als einlullt. Musik mit Kante, Haltung und genug Wucht, um hängen zu bleiben.

Viagra Boys – Viagr Aboys

Wunderbar rumpelt es auf Viagra Boys‘ diesjähriger Platte. Unbändige Punk Energie und unbeherrschbar tanzbar. Durchgeknallt und doch bodenständig, Dank einer gehörigen Ladung Humor und musikalischer Verspieltheit ist das auch alles andere als bierernster Punkrock. Da düdeln lustige Synthis mit oder ein Saxofon quäkt sich fiebrig durch die Gitarrenriffs. Dazu kommen Sebastian Murphy’s witzig bissige Texte gegen Machotum und rechte Verschwörungstheorien und schon wird die Band äusserst sympathisch und an dieser Stelle wärmstens empfohlen!

The Young Gods – Appear Disappear

Ah, die Institution der Schweizer Musikgeschichte, die David Bowie, Soundgarden oder Mike Patton zu ihren Fans zählen darf. Mit „Appear Disappear“ geht die Band wieder auf Wurzelsuche. Nach ihren eher sphärisch ausladenden, hypnotisch trippigen letzten beiden Alben, klingt es hier wieder knarrig und rifforientiert wie zu Zeiten von oder gar vor der legendären Platte „TV Sky“. Vielleicht weil das Gründungsmitglied Cesare Pizzi wieder dabei ist? Unkraut rostet bekanntlich nicht und The Young Gods klingen heute grossartiger denn je!

Motorpsycho – Motorpsycho

Und gleich noch ein nicht Vergehen wollendes Unkraut:.Motorpsycho haben sich für ihre ungefähr 37ste Platte zum ersten Mal keinen Titel ausgedacht. Hier ist der Bandname ein Statement, vielleicht gar als Neudefinition. Nach zahllosen Drummerwechseln entschied sich das leitende Duo Bent & Snah, dass von nun an sie zwei die Band sind. Für Drums und Synths und allen anderen Schabernack werden einfach Gäste eingeladen. „Motorpsycho“ ist – wie beinahe üblich für die Band – ein Doppelalbum geworden. Es wandelt stilistisch einerseits quer durch ihre 35jährige Karriere und schaut doch voraus. Geboten werden Indiepop Perlen, avantgardistische Einsprengsel und monströse Progrock Stücke, die auch mal 20 Minuten dauern.

Jehnny Beth – You Heartbreaker You

So traurig man über das offenbare Ableben ihrer fantastischen Band Savages sein muss, so sehr kann man sich über Jehnny Beths neues Album freuen. Dieses klingt nicht mehr so 80er Postpunk orientiert wie die Musik der Savages, sondern liefert zeitgemässen Krachrock mit Industrial Einflüssen. Also eher Nine Inch Nails statt Siouxsie & The Banshees. Eine grossartige Poetin – nebenbei ja auch Schriftstellerin – mit einer fantastischen Stimme und einer tollen Bühnenpräsenz. Ich freue mich jetzt schon auf ihre nächste Platte.