Alain Johannes, als Multiinstrumentalist und Produzent und Sessionmusiker auf gefühlt 90% aller Alben des Alternative Rock seit den 90er Jahren vertreten, veröffentlicht wieder mal ein Soloalbum.

Seine erste Band gründete er mit späteren Red Hot Chilli Peppers Mitgliedern. In den 90ern führte er mit seiner Lebenspartnerin Natasha Shneider (welche übrigens die Kosmonautin Irina Yakunina im Film 2010 spielte), die Band Eleven. Die wiederum unterstützte Chris Cornell bei dessen ersten Jahren nach der Soundgarden Trennung 1997. Weitere Zusammenarbeiten gab es mit den Arctic Monkeys, PJ Harvey, Motorpsycho, Mike Patton, Mark Lanegan und Hunderten mehr.

Ein Musikerleben im Schatten der Grossen quasi. Im Rampenlicht erschien er 2005, als er sich den Queens of the Stone Age anschloss. Kurz darauf verstärkte er das Trio Them Crooked Vultures (Josh Homme, Dave Grohl und John Paul Jones) auf Tour. Da übernahm er als Bassist, Gitarrist, Keyboarder und Mandolinespieler quasi die Rolle von John Paul Jones bei Led Zeppelin.

Die Mischung aus amerikanischem Blues und britischem Folk auf Hum erstaunt denn auch nicht weiter. Gerade die rockfremden Melodiebögen und Harmonieformen, welche oft in Josh Hommes oder Mark Lanegans Output zu finden sind, bilden das Rückgrat aller zehn Songs. Johannes‘ Einfluss auf deren Werk und seine Beliebtheit in der Musikerszene erscheinen plötzlich sonnenklar. Dabei lassen sich aber kaum Höhepunkte ausmachen. Das Album fliegt in einer ungebrochenen Atmosphäre dahin. Keine Kapriolen, keine Radiohits. Johannes erfreut uns stattdessen mit durchwegs starkem Songwriting. Wie Alain Johannes selbst, ist es ein Manifest des Understatements. Und saugut.

Alternative Bluesfolk: 10/10

Marc Flury

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