publiziert: Montag, 30. Jan 2012 / 00:00 Uhr
Von wegen «We Started Nothing»: Als The Ting Tings im Frühsommer 2008 ihr Debütalbum vom Stapel liessen, fusstrommelten die Radios und Clubs gleichermassen zu Ohrwurmhits wie «That's Not My Name», «Great DJ» oder «Shut Up And Let Me Go» und feierten das Duo aus der Umgebung von Manchester frenetisch.
Nicht von ungefähr, schlugen die zwei doch eine betanzbare Brücke zwischen dem sich genau zu der Zeit auf seinem kurzen Höhenflug befindlichen New-Rave und massentauglichem Electropop. Die Folge: Berühmtheit, mehr Verpflichtungen, grosse Erwartungshaltung. Um sich diesem Musikbusiness-Strudel zu entziehen, zogen Katie White und Jules De Martino 2010 nach Ostberlin, eine (manchmal mehr, manchmal weniger) dankbare Inspirationsquelle vieler Künstler, nahmen neue Songs auf und traten das beinahe fertige Nachfolge-Album dann doch in die Tonne. «Es war grauenvoll», erinnert sich Katie und Jules ergänzt: «Wir waren schon beim sechsten Stück, als uns klar wurde, dass wir auf dem Holzweg waren. Doch das Label hatte einen Calvin-Harris-Remix von (der Vor-Vorabsingle; Anm. d. Red.) ,Hands' gehört und war der Meinung, es sei ein Smash-Hit.» Catchy war er, smart getextet jedoch nicht, was bislang aber auch nicht unbedingt ein Aushängeschild von The Ting Tings war. Das Label zeigte Verständnis für die Situation der Band und liess sie machen - und sich verspäten; der Release des Zweit-Zweitlings war für Oktober 2011 geplant. «Hands» hat es schliesslich nicht auf «Sounds From Nowheresville» geschafft, dafür zehn neue Songs, von denen keiner wirklich schlecht ist, aber auch nicht an die simple Genialität der Tracks auf dem ersten Album heranzureichen vermag. The Ting Tings schippern Track für Track in neue Genre-Gefilde, kommen dabei aber nie wirklich irgendwo an: «Hit Me Down Sonny» und die Vorabsingle «Hang It Up» klingen nach Pop-Rap aus den Neunzigern, «Give It Back» tönt nach CSS, «Day To Day» erinnert (absichtlich, da Katie ein grosser Fan war) an TLC - das ist alles meist sehr okay, ergibt aber in der Summe eine Platte, die ihren Namen aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten zu Recht zu tragen scheint.
Bewertung: 3 von 6
Wer das mag, mag auch: Franz Ferdinand «Tonight: Franz Ferdinand», Empire Of The Sun «Walking On A Dream», Imogen Heap «I Megaphone»
Aus dem Rockstar Magazine
(piratenradio.ch/RCKSTR)