Bratwurst-Boogie
STAHLBERGER - Die Gschicht isch besser
publiziert: Freitag, 14. Mrz 2014 / 00:00 Uhr

Diesmal bleiben sie nicht vor der Regenbogensiedlung stehen: Die St. Galler Edelstähler haben unsere SMS gelesen, kennen unsere Ticks, Komplexe und Obsessionen und die Tristesse unserer gescheiterten Beziehungen. Und schreiben sie schön - zu einer besseren Geschichte.

Der Ostschweizer, er ist quasi der Dentalhygieniker unter den hiesigen Dialekten. Man arrangiert sich mit ihm. Aber so richtig mögen tut ihn eigentlich niemand. Ausser wenn ein hagerer Anzugträger ihn zu babuschkamässig verschachtelten Versen formt: Manuel Stahlberger, Kleinkünstler und Comiczeichner, Wappenkundler und Postzettel-Sammler, Buchpublizist, Kulturaktivist und eben Sänger der Band, die seinen (Nach-)Namen trägt. Mehr denn je setzt er die linguistische Klinge auf deren dritter Platte bei den zwischenmenschlichen Dramen an, die sich halt so ereignen, zwischen Boden- und Thunersee, zwischen Migros-Kasse und Jass-Teppich. Erzählt mit einem Scharfsinn, den wir höchstens von einem weiteren Schweizer kennen. Aber der sprach Berndeutsch.

Zur Hand gehen Manuel Stahlberger vier musikalische Querköpfe, quasi ein All-Star-Team der St. Galler Indie-Szene (wir gehen einfach einmal davon aus, dass so etwas existiert.). Sie tun das im Grundton subtil und synthielastig, wodurch dem Sound eine melancholische Retro-Ästhetik anhaftet. Für Kontrast sorgen das etwas sperrig geratene «Tanze», das rumpelrockende «Rundume Rand» sowie der kratzige ÖV-Blues «Flowil».

Hauptattraktion bleiben aber die Texte, die Manuel Stahlberger mit der emotionalen Distanz eines Tagesschausprechers runternuschelt. Denn mit jedem Durchgang zeichnen sich neue Reime ab, tun sich neue Abgründe auf. Diesmal bohrt er tiefer als gewohnt, nimmt unser Innenleben unters rostfreie Skalpell, analysiert unsere Spleens und Marotten, projiziert sie auf den Telefonjasser, den Polarforscher - und stellt sie dar in absurd überzeichneten Szenarien. Beispiel? Stellen Sie sich vor, der von Uriella prophezeite Meteorit erwischt uns. Und Sie sitzen gerade auf dem Klo. Wär recht scheisse, oder?

Bewertung: 9/10

LIVE: 5.4., Kleintheater Luzern (Fumetto); 11.4. & 12.4., Palace St. Gallen; 17.4., Kuppel Basel; 18.4., Salzhaus Winterthur; 20.4., Dachstock Bern; 25.4., Bogen F Zürich; 3.5., Löwenarena Sömmeri

Marco Rüegg

(piratenradio.ch/)

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