Nocturne Pop
SIVERT HOYEM - Lioness
publiziert: Mittwoch, 10. Feb 2016 / 00:00 Uhr

Der ehemalige Kopf von Madrugada musste in der Vergangenheit eine ganze Menge persönlicher Schicksalsschläge verkraften. Das merkte man seinem grandiosen, manchmal fast unerträglich düsteren, selbstbetitelten, letzten Album auch an. Zwei Jahre später lichtet sich das Dunkel um den Mann mit der melancholischen Gänsehautstimme. Ein kleines bisschen.

Wer den schmächtigen, glatzköpfigen Norweger bisher noch nicht kannte, wird den einleitenden Worten vielleicht widersprechen mögen: wo bitteschön ist da Licht? Alles ist eben relativ. Gemessen am Vorgänger ist Lioness insgesamt hörbar entspannter, sowohl lyrisch als auch musikalisch. Aber natürlich, widmet sich Sivert Høyem nach wie vor in erster Linie der dunklen Seite der Nacht. Fast alle der zehn Songs nehmen irgendwo einen Bezug dazu. «The darkness is your only friend» singt er etwa in V-O-I-D, welches auch seiner ehemaligen Band prima gestanden hätte. Das nimmt man ihm denn auch aufs Mal ab. Wenn er hingegen das balladeske «Silences» mit ruhiger, warmer Stimme und der Zeile «The night is my favorite time of day» eröffnet, vermutet man schon mal ein Augenzwinkern.

Wann gab's das schon? «Lioness» ist aber vor allem in musikalischer Hinsicht ein Schritt in Richtung neue Leichtigkeit. Synthesizer und elektronische Mittel kann man kaum noch finden, Høyems akustische Gitarre ist das zentrale Element. Sein langjähriger Saitenmann Christer Knutsen unterstützt, wo nötig mit schwereren Tönen. Diese bieten einen feinen Kontrast zu immer wieder auftauchenden, schimmernden weichen Streichern. Das alles ergibt in seiner Gesamtheit eine Art moderne Nocturne. Schlicht. Ergreifend. Schön. Und irgendwann geht die Sonne auf.

9/10

LIVE: 19.3.2016, Plaza Zürich

Kaspar Hunziker

(piratenradio.ch/)

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