Neo Disco Funk
JUNGLE - Jungle
publiziert: Donnerstag, 24. Jul 2014 / 00:00 Uhr

Die netten Jungs aus der Nachbarschaft mit hundertausenden Fans im Internet: So darf man seiner Mutter Jungle erklären. Der vermutlich grösste Hype dank seinem Debütwerk nämlich nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben.

Am Anfang waren T und J. Mehr als diese Buchstaben brauchten Jungle nicht, um sich eine gigantische Fanbase aufzubauen. Allein ihr erster Musikclip zum Song "Platoon" erreichte binnen drei Monaten 600'000 Views - was nicht nur an der darin unglaublich tanzenden, sechsjährigen Breakdancerin B-Girl Terra lag. Das Kollektiv bietet nämlich einen heissen Mix aus Disco, Funk, Indie sowie Elektro. Und führt sozusagen die durch Daft Punks Meisterwerk "Random Access Memories" neu entflammte Disco-Ära weiter. Ganz im Stile Kindness, Blood Orange oder Hercules & Love Affair klingt das oftmals.

Dabei wird aber nicht eins zu eins der Viervierteltakt geklopft, sondern mit elektronischen Spielereien im Trend des Minimalismus gebastelt. Womit wir wieder bei T und J wären: Die sind keine glitzernden Disco Stus, sondern zwei gewöhnlich ausschauende britische Jungs, Marke Nachbarsjunge. Trotzdem agiert das Produzenten-Duo als Kopf der Formation Jungle. Am Computer wurde das Klangkonstrukt zusammengesetzt und anschliessend mit einer Live-Band umgesetzt. Auf Platte ist das ein zweischneidiges Schwert.

An vielen Stellen ist der Urwald direkt spürbar. Affen kreischen im schwülen Tropenklima, Sirenen heulen durch den Grossstadtdschungel. Dabei laden Songs wie die grossartigen "Busy Earnin'", "Platoon", "The Heat" oder "Julia" zum Tanzen ein. Gleichermassen schleicht sich aber auch der Verdacht des Sample-Recyclings ein. So ähneln sich Elemente in den Stücken und man erlebt immer mal wieder ein Déjà-vu: Ein bisschen unflexibel, in Lianen verheddert sozusagen. Trotzdem gehört das Album zu den stärkeren oder zumindest innovativeren Veröffentlichungen dieses Jahres. Davon, ob sich der riesige Hype auch live bewährt, kann man sich dann am 20. November in Zürich überzeugen.

Bewertung: 8/10

LIVE: 20.11.2014 Komplex Klub Zürich

Stoph Ruckli

(piratenradio.ch/)

?
Facebook
SMS
SMS
Bob Moses
Updated Downbeat  Ein Punk, ein Tranceonaut und hundert Facetten elektronisch infiltrierter Popmusik: Das wahlnewyorker Duo legt sein Debüt neu auf - und gewährt dabei tiefe Einblicke in seine Schaffensweise. mehr lesen 
Konzerte 90er Indie  «Stadion Rock» in your Face! Dirty Wolf Alice treffen auf snobby Zürich und bringen mal wieder ein ... mehr lesen  
Chamber-Funk  Wenn das Debütalbum eines angepriesenen Genies floppt, was passiert dann? Laura Mvula hat ihre Antworten auf diese Frage ... mehr lesen  
Indierock  Nehmen wir es gleich vorweg: «Masterpiece» ist nicht mehr und nicht weniger als eben das, was ... mehr lesen  
Ausserordentliche Popkunst  Indieelektropop bedeutet für nicht wenige eine Schlaftablettenmarke. Doch das Klischee des gefälligen ... mehr lesen  

Livestream

Play
PlayerEQ

Now Playing

timer

Playlist

timer

SHOP

 

17431880-2424252117431880-24242521
17431880-2424252117431880-24242521
17431880-2424252117431880-24242521