CH-Post Rock
GLASTON - Sailing Stormy Waters
publiziert: Freitag, 14. Nov 2014 / 00:00 Uhr

Obacht, Konzeptalbum! Mittlerweile schwer aus der Mode gekommen und knapp noch verstaubte Erinnerungen bei alten Hippies wachrufend, verdient solch Vorhaben gerade deswegen Respekt. Wenn junge Bands sich einen Dreck um Muster kümmern und die grossen Kellen für epische Dramatik auspacken, freut man sich erstmal über diesen Mut.

Der EP Titel verkündet also eine abwechslungsreiche Reise über ruhige und stürmische Gewässer. Glaston vertonen sie mit instrumentalem und zeitgemässem Postrock und das mehr als ordentlich. In der Zeitgemässigkeit liegt leider das Problem. Postrock begründete sich in den 90ern mit Godspeed You! Black Emperor, Slint, Do Make Say Think und Tortoise als überfällige Alternative zum kreativ darbenden Alternative Rock. Dessen Intensität und Dringlichkeit nahmen sie glücklicherweise mit und sie verstanden es sogar, das so befreite Potential in bislang unerhörte Qualitäten zu steigern. Doch nachfolgende Epigonen wie Explosions in the Sky oder Hammock verwässerten das Genre zu formaler und blutleerer Gefälligkeit.

Der Tsunami lief um die Jahrtausendwende in eine leichte Brandung aus, in welcher wir nun Glastons zwar ambitionierte, aber in ihrer Umsetzung zu mutlose EP finden. Sollten wir nicht spätestens im dritten Stück «Sailing Stormy Waters» Neptuns fiese Lust am Rabatz und der Seereisenden schiere Verzweiflung um die Ohren geschmettert kriegen? Hier fehlt das eindringlich Endgültige, die götterverfluchende Faust gen Himmel, grüngesichtig kotzend im monströsem Wellengang. Überraschenderweise hören wir im abschliessenden Stück «Sailing Calm Waters» doch noch husch Fuzzgitarren und hart gedroschene Bleche. Was irritiert, weil es sich so kaum vom vorangehenden flachen Höhepunkt unterscheidet.

«Sailing Stormy Waters» ist ansprechende, schöne, versöhnliche, sogar schwelgerische Musik. Abgeklärt gespielt und sauber produziert für einen friedlichen Abend am Kamin. Man wünscht der Band mehr Blut, Schweiss und Tränen und dass sie sich als Inspiration vielleicht mehr an den erwähnten Originalen orientieren oder sich «The Death Defying Unicorn» von Motorpsycho anhören. Das war ein Konzeptalbum über eine Seereise, während welcher Planke bis Segel von Sturm und Unbill geschreddert werden und die Protagonisten elend zugrunde gehen und wehrlos dem Wahnsinn verfallen. Es ist ein hoher Anspruch, mit stimmiger Musik ein Publikum zu bebildern. Dann muss man aber auch richtig klotzen.

Bewertung: 6/10

Marc Flury

(piratenradio.ch/)

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