Gar-nicht-Disco-tauglich
DISCO DOOM - Numerals
publiziert: Freitag, 7. Feb 2014 / 00:00 Uhr

Diesen drei Züri-Schnäuzen eilt ein Ruf voraus als international vielleicht potentester helvetischer Indierock-Export. Warum eigentlich? Vielleicht darum, weil sie das Etikett «Indie» auf ihrem dritten Longplayer höchstens in Anführungszeichen zulassen.

Eins vorweg: Allfällige (möglicherweise auf dem Bandnamen basierende) Vorurteile bezüglich Rüeblihosenriffs, Spiegelball und "Yeah! Yeah!" machen Disco Doom schon in den ersten Sekunden platt, mit einer sperrigen Post-Rock-Walze namens "Ex Teenager", an deren Ende sich ein Feedback-Gewitter entlädt. Strophe-Refrain-Strophe, Songstrukturen, Mitklatsch-Rhythmen - nein, das ist die Sache des Zürcher Trios nicht. Damit, dass sich Frontmann Gabriele De Mario ab und an zu ein paar genuschelten Zeilen hinreissen lässt, hat es sich mit Geständnissen an die Popkultur praktisch schon erledigt.

Viel mehr fliessen die zwölf "Numerals"-Nummern ineinander über, "Window" flaut ab bis auf eine monoton geklimperte Piano-Note, in "Love 77" begehren die Gitarren und Geräusche auf in einem peitschenden Sturm der Naturgewalten. Man hört der Platte an, dass ihr Entstehungsweg über Seattle und New York führte - der befreundete Built-to-Spill-Gitarrist Jim Roth assistierte im Studio, sein trommelnder Bandkollege Scott Plouf drosch für Disco Doom in die Becken. Erscheinen tut das Album übrigens auch Übersee, auf dem Label mit dem passenden Firmennamen "Exploding in Sound Records". Getauft wird es jedoch standesgemäss daheim. Unter einem Zürcher Viaduktbogen. Heute!

LIVE: 7.2.2014, Bogen F, Zürich

Marco Rüegg

(piratenradio.ch/)

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