Valium-Surrogat
ASLEEP - Igloo
publiziert: Freitag, 14. Feb 2014 / 00:00 Uhr

Selber schuld, wer diese Eskimohütte bei Tageslicht aufsucht. Denn im Prinzip ist «Igloo» reserviert für jene Randstunden, in denen das Fernsehen nur Flugaufnahmen oder Spots von Pornohotlines sendet und das Bewusstsein auf Sparflamme kocht. Wiegelieder für Wachgebliebene, sozusagen.

Wessen popkulturellen Sinneszellen sich um die Jahrtausendwende nicht gerade im Tiefschlaf befanden, der erinnert sich möglicherweise. An diese umtriebige, experimentierfreudige Band, die in jedem Konzertkeller zwischen Winterthur und Pfäffikon auftrat und ihren klavirisierten Hypnose-Pop auf komplex geflochtenen Rhythmen aufbaute. Und dies immer noch tut. Oder besser gesagt; wieder. «Igloo» ist nach einer halben Dekade Funkstille der dritte Asleep-Longplayer. Und überhasten, nein, das tun die Buben auch in ihren Kompositionen nichts. Wohlüberlegt breiten sie den ganzen Fächer der Indie-Variationen aus:

«You Faint» peitschen treibende Riffs vorwärts, wie man sie etwa von frühen Slut-Platten kennt. In «Math» zerberstet eine brachiale Stromgitarre die filigran aufgezogene Soundwand. «Flabbergasted» franst aus in einem sedierenden Geplänkel und über «Car» bricht ein instrumentaler Tsunami herein.

Zwar sind Asleep von der unteren Pfnüselküste des Zürichsees inzwischen ein paar Kilometer nördlich gezogen, in die (kulturelle) Landeshauptstadt. Abgesehen vom Bassisten - aktuell zupft den Sascha Jösler - blieb die Urformation jedoch bestehen, mit Patrik Schmid an den Drums, Marius Lapagna an den Tasten, Nicolas Sciarrone an der Leadgitarre. So haben die entrückten Stücke ihren Charakter behalten, mit dem Gesang von Frontmann Fabio Andres als vielleicht kernigstem Merkmal. Kapital zieht der Sänger (auch wenn man um lyrische Tiefgründigkeit bemüht ist) vor allem aus der Bandbreite seines Organs, vom drögen Genuschel bis zum kratzigen Wutausbruch.

Zum Valentinstag taufen Asleep «Igloo». Und sie tun das natürlich nicht einfach so mit einem Konzert, wär ja langweilig. Angekündigt ist eine Art kollektives Schlafwandeln: ein Abendspaziergang mit Start im Kreis 4. Details: www.asleep.ch.

Plattentaufe: 14.02.2014, Kanzleiareal Zürich

Marco Rüegg

(piratenradio.ch/)

?
Facebook
SMS
SMS
Killing Joke
Killing Joke
Postpunk  Killing Joke, eine der dienstältesten und wichtigsten Postpunk Bands, kommen nach Zürich. Die Band und die Fans nennen ihre Gigs «The Gathering»: Die Zusammenkunft einer untereinander verschworenen Gemeinschaft, die sich ihr Rebellentum erhalten hat. mehr lesen 
New Folk  Nach fünf langen Jahren kehren - oder besser kehrt? - Bon Iver zurück. Mal abgesehen von der Verwirrung, ob man das Projekt als Justin Vernon oder eine ganze Band ansieht, ist «22, A ... mehr lesen
Mantrarock  Wenn sich Menschen mit dem Wunsch auf eine mantraeske, katharsische und schweinelaute ... mehr lesen  
Jump-Up-Beat  Saint-Étienne? Liegt in Südfrankreich, wenige Autostunden vor der Schweizer Grenze. Weit weg von Kokospalmen, Sandstränden und Hanfplantagen. Doch residiert hier die ... mehr lesen
Stummfilm-Symphonicore  Nein, Sie lesen recht: Im Züricher Bourgeoise-Tempel darf der nordfranzösische ... mehr lesen  

Livestream

Play
PlayerEQ

Now Playing

timer

Playlist

timer

SHOP

 

17431880-2424252117431880-24242521
17431880-2424252117431880-24242521
17431880-2424252117431880-24242521